Was bisher geschah...

Die Geschichte unseres Unternehmens ist eigentlich die Geschichte einer Aussteigerin, die zur Unternehmerin wurde.


Sie begann mit einer Truhe auf dem Dachboden meiner Großmutter, die, voll mit den Resten genähter Kleider, mit dem Nimbus des Geheimnisvollen umgeben war. Als in den 60er Jahren die Länge meiner Miniröcke endlose Debatten mit Oma auslösten, begann ich selbst zu nähen, natürlich unter Großmutters strenger Aufsicht. Meinen ersten, wirklich neuen Stoff schenkte mir meine Tante, als ich 16 war, und dazu 12 cm hohe Stöckelschuhe.

Auf der Suche nach Alternativen zum bürgerlichen Normalo-Dasein zog ich mich mit meinem Mann in ein autarkes und karges Leben im Vogelsberg in einem achteckigen Häuschen ohne Wasser und ohne Strom zurück. Im Keller einer alten Weberei entdeckte ich einen vergessenen Posten ungefärbten, traditionell gewebten Leinens, eine Qualität, die es in der damaligen Nylonbeseelten Zeit nirgendwo zu kaufen gab. Da hatte ich die Idee, diese Stoffe zu verkaufen und damit das Kapital zu erwirtschaften, sie wieder herstellen zu lassen. Ich erstand das Leinen als Kommissionsware, und eine erste handgeschnippelte, mit Uhu geklebte Musterkarte entstand.

Ein Rundschreiben an deutsche Webereien brachte jede Menge Konkursware, da zu dieser Zeit die meisten der alteingesessenen, Naturfaser-verarbeitenden Fabriken für immer ihre Tore schlossen.

Meine Kunden bestanden damals aus der Leserschaft des ‘Kompost’, der auflagenstärksten Alternativzeitschrift zu jener Zeit. Es war echte Pionierarbeit, und auf den Stoffmessen erntete ich mitleidiges Lächeln ob soviel Anachronismus.
Die Begeisterung meiner Kunden gab mir jedoch Auftrieb, und ich schickte Musterkarten an Theater. Bald bestellten Opernhäuser von der Mailänder Scala bis Oslo und Brüssel Stoffe, noch heute gehören Kostümbildner von Bühne, Film und Fernsehen zu meinen besten Kunden. Wir haben Musicals wie Cats, Les Miserables und Der Glöckner von Notre Dame ausgestattet, Meryl Streep und Jeremy Irons tragen unsere Stoffe auf der Leinwand. Mode- und Wohnzeitschriften verwenden unsere Materialien, wir beliefern Museen, Stoffläden, Raumausstatter, Polsterer, Boutiquen, Designer, Endverbraucher.

Nach einem Erlebnis in einer Höhle in Lanzarote, deren wunderbare friedliche Farbharmonie und Stimmung durch den Einbruch einer Meute Touristen in grellbunten Acrylklamotten buchstäblich zerrissen wurde, begann ich, nach Farbalternativen zu suchen. Auch das war Pionierarbeit und voller Überraschungen. Bis heute sind wir mit unserem umfangreichen Angebot einzigartig auf dem Markt.

Dann habe ich mich besonders darauf konzentriert, traditionelle Textilkultur zu erhalten. Ich suche oft jahrelang und weltweit nach Webern, die diese Kunst noch beherrschen, und nebenbei ergibt sich durch den direkten Kontakt eine gerechte Bezahlung in der „dritten Welt“.

Ökologie bedeutet für mich vor allem der bewußte und liebevolle Umgang mit Textilien, ein verantwortliches Handeln unseren Traditionen gegenüber, um unseren Reichtum zu erhalten, und es geht mir um die Schönheit und wohltuende Wirkung der naturgefärbten und naturbelassenen Stoffe auf unseren Organismus, unsere Sinne, unser ganzes bioenegetisches System, kurz: um Freude und ein gutes Lebensgefühl.


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